Das neue Jahr steckt in den Startlöchern und mit ihm zusammen auch ein paar neue MMORPGs. Neben dem obligatorischen Addon für World of Warcraft, sind die 3 vermeindlich größten Blade & Soul, Black Desert und Crowfall. Auffällig daran ist, dass alle 3 ihren Fokus eher auf das PvP legen und nicht wie früher üblich auf das PvE.

Blade & Soul

Blade & Soul ist ein koreanisches Action Fantasy MMO mit Martial Arts Einflüssen. Ursprünglich wurde es am 30. Juni 2012 in Korea veröffentlicht und arbeitete sich dann langsam über China, Japan und Taiwan bis zu uns nach Europa durch. Hier und in den USA erscheint das Spiel am 19. Januar.

Entwickelt wurde das Spiel von Team Bloodlust, dem inhouse Developer von Ncsoft, das auch gleichzeitig Publisher ist. Damit reiht sich Blade & Soul ein zu Lineage, Aion, WildStar und Guild Wars 1 + 2.

Die Einflüsse der asiatischen Kultur schlagen sich ganz deutlich in diesem Spiel nieder. Vom Design der Charaktere und der Welt über die Geschichte bis hin zum Kampfsystem fügt sich alles nahtlos in ein östliches Thema ein. Das mag auf den ersten Blick den ein oder anderen vielleicht abschrecken, aber es könnte auch ein positiver Faktor sein, da es einen frischen Wind hineinbringt.

Gleiches gilt für das Kampfsystem. In Blade & Soul wird sehr viel Wert auf Kombos gelegt. Das führt u.a. dazu, dass man nur wenige Fähigkeiten in seiner Leiste hat, aber dahinter stehen nochmal ein paar dutzend weitere, die man je nach Situation verwenden kann. Wichtig ist auch, dass man genau darauf achtet, was der Gegner gerade macht. Man muss antizipieren, was er wohl vorhat und entsprechend darauf reagieren. Das macht die Kämpfe spannend und dynamisch und hat dazu geführt, dass sich eine e-Sport-Szene um die imposanten 1 vs 1 Duelle gebildet hat.

Da das Spiel mit der Unreal 3 Engine entwickelt wurde, ist die Grafik auch nicht auf dem allerneusten Stand. Das wird jedoch durch den asiatischen Touch wieder wettgemacht und für ein MMO sieht Blade & Soul trotzdem noch ziemlich gut aus.

Besonders hervorzuheben ist hierbei die Vertikalität der Karten. Es nicht alles eben, es gibt immer wieder Felsvorsprünge, die man erklimmen kann oder tiefe Schluchten, in die man sich stürzen kann. Gerade in Kombination mit dem Movement, das ebenfalls ein Stück weit an Martial Arts angelehnt ist, sind die Karten deutlich größer als man auf den ersten Blick vermuten würde und man kann vor allem Gebiete erreichen, die man sonst nie für möglich gehalten hätte.

Ich persönlich finde vor allem die Versprechungen des Movement-Systems äußerst interessant. Sprinten, Gleiten, Wasserlaufen und die Möglichkeit, über geschicktes Kombinieren von Fähigkeiten minutenlang hoch in der Luft zu bleiben, klingen sehr reizvoll und ich habe soetwas noch nie in einem MMO gesehen.

Das Kampfsystem sehe ich dagegen eher neutral. Es ist sehr kombolastig wie Tera und man muss gut aufpassen, was der Gegner gerade macht und darauf entsprechend reagieren. Das kann zu sehr spannenden Kämpfen führen, es kann aber auch schnell frustrierend sein. Zumindest in Asien kommt das Kampfsystem hervorragend an und es hat sich sogar eine e-Sport-Szene um die Arena-Duelle entwickelt.

Mein aktuell größtes Problem mit Blade & Soul ist aber das Design der Charaktere. Ich weiß nicht, woran es genau liegt, aber mir persönlich sagt der fast schon animehafte Stil nicht sonderlich zu und es definitiv etwas, an das ich mich erst gewöhnen muss.

Aber ausprobieren sollte man es auf jeden Fall, vor allem, da es bereits in 2 Wochen erscheint und Free2Play sein wird. Für ein Spiel, das schon seit 3,5 Jahren auf dem Markt ist und entsprechend viel Content haben sollte und dazu noch von einem Publisher vertrieben wird, der für gute und faire F2P-Modelle bekannt ist, ist das schon beachtlich.

Black Desert

Auf den ersten Blick wirkt Black Desert wie ein Verwandter von Blade & Soul, aber der Schein trügt. Black Desert ist ein Sandbox MMORP der koreanischen Pearl Studios. Gepublished wird das Spiel sowohl in Korea, wie auch in Amerika und Europa von Daum Games, die hierzulande ein eher unbeschriebenes Blatt sind. Das könnte sich demnächst ändern, denn Black Desert wird von vielen Leuten als DIE große MMO-Hoffnung der nächsten Jahre angesehen.

Beeindruckend ist schonmal, dass extra für das Spiel eine neue Game Engine entwickelt wurde. Das hat zur Folge das Black Desert das mit Abstand best aussehenste MMO bis zum heutigen Tage ist. Es ist unglaublich wieviele Details zu erkennen sind. Jeder Charakter, egal ob NPC oder Spieler, hinterlässt Fußabdrücke in Schlamm oder Schnee. Charaktere werden zunehmend nass wenn es regnet, selbst das Fell der Tiere schimmert vor Feuchtigkeit. Und wenn es mal dunkel wird, und glaubt mir, es wird richtig dunkel, dann kann man mit Fackeln oder sogar seinen Fähigkeiten die Welt kurz erleuchten.

Dazu kommt ein bombastisches Action-Kampfsystem. Ich kann noch nicht sagen, wie es sich tatsächlich spielt, es soll ebenfalls sehr kombolastig sein, aber es sieht ziemlich eindrucksvoll aus. Jede einzelne Attacke hat Impact. Von Anfang an fühlt sich der eigene Char richtig stark an. Das er ist vllt nicht unbedingt ist, gerade zu Beginn, steht aber auf einem anderen Blatt. Denn zu Beginn ist der Charakter noch ziemlich unwissend und muss erst herausfinden, was das für Gegner sind. Ohne dieses Wissen, kann man nichtmal die Gesundheitsanzeige sehen. Erst, wenn man denen öfter begegnet ist oder mehr über sie gehört hat in Erzählungen von NPCs, sieht man die Gesundheit und lernt ihre Schwächen.

Ohnehin ist Black Desert mal wieder ein echtes Rollenspiel. Wenn man in eine Stadt kommt, dann tauchen nicht überall Ausrufezeichen auf. Man muss zunächst mit vielen Einwohnern sprechen und wird so nach und nach auf die Probleme aufmerksam gemacht. Erst dann schaltet man die Questgeber frei. So wie es früher in Rollenspielen der Fall war.

Und wo wir sowieos gerade in den Städten sind, hier mein persönliches Highlight: Black Desert enthält Parcour-Elemente. Man kann tatächlich Mauern, Vorsprünge und Wände hochklettern. Oder von Dach zu Dach springen. Es kommt hier also nicht vor, dass man vor einem unüberwindbaren, kniehohen Zaun steht wie sonst üblich in MMOs. In Black Desert springt der Charakter locker drüber.

Ein weiteres Feature ist das Housing. Man kann ohnehin in fast jedes Haus einfach eintreten – und das sogar ohne jegliche Ladebildschirme! – aber wenn ein Haus leer steht, kann ein Spieler es kaufen und nach eigenen Wünschen dekorieren. Man kann sogar Mitarbeiter einstellen, die dann Arbeiten für einen übernehmen. Mehr noch: Man kann sogar mehrere Häuser besitzen, sie zu Lagerhäusern umfunktionieren und dann Handelsrouten mit anderen Spielern oder NPCs anlegen. Die Waren werden dann durch die Welt gekarrt – was man übrigens sogar sehen kann, sie laufen wortwörtlich durch die Welt.

Für mich persönlich sind die ganzen Sandbox-Elemente wahrscheinlich eher weniger etwas. Ich mag auch das hier scheinbar sehr umfangreiche Crafting nicht sonderlich. Aber die Idee, das alles in ein MMO zu packen, finde ich beeindruckend. Ich habe gesehen, dass es funktioniert. Und auch das Kampfsystem macht mir wirklich Hoffnung für dieses Spiel. Lediglich das PvE macht mit derzeit ein bisschen Sorgen. Die Levelphase (soweit man hier überhaupt davon sprechen kann, das Spiel funktioniert grundlegend ein wenig anders) soll eher standardmäßig sein. Aber vielleicht sieht das auch nur auf den ersten Blick so aus. Denn bei Black Desert schlummert einiges unter der Haube und das Spiel hat einige sehr komplexe Systeme, die man erst noch erkunden muss. Oh! Hatte ich eigentlich erwähnt, dass man Reittiere in der Wildnis zähmen kann?

Crowfall

Crowfall fällt ein wenig aus der Reihe. Es basiert nicht auf asiatischen Themen und es ist auch nicht den herkömmlichen Weg der Spieleentwicklung gegangen, sondern entstand aus einer Kickstarter-Kampagne von dem Entwickler ArtCraft.

Grundsätzlich würde ich Crowfall als ein Conquest PvP MMORPG bezeichnen. Denn hauptsächlich geht es in dem Spiel darum, dass man zu einer Welt reist, ihre Ressourcen ausschöpft, dabei die Welt immer weiter zerstört und schlussendlich verlässt man die Welt wieder. Nicht umsonst trägt das Spiel daher den Beinamen „Eternal Heroes, Dying Worlds“.

Grundsätzlich funktionierte das Ganze so: Ihr erstellt Euch einen Helden und habt mit ihm ein Haus – ja, Housing ist auch hier enthalten. Diese Welt mit Eurem Haus bzw. dem Haus eurer Gilde ist permanent, sie wird also nicht einfach zerstört werden. Anschließend geht ihr hinaus in die anderen Welten, beutet sie aus und fügt das gesammelte Gut eurem Haus hinzu.

Jede Welt hat dabei verschiedene Regeln, nach denen sie funktioniert. Manche haben beispielsweise ein 3 Fraktionen PvP, andere erlauben nur Gildenkriege, wieer andere sind free for all und andere haben eine Spieler Monarchie, in der einzelne Spieler König oder Fürst werden können. Die Regelwerke beziehen sich aber auch noch auf andere Dinge. Bei manchen verliert ihr beispielsweise die Hälfte Eurer Items, wenn ihr scheitert. Bei anderen verliert ihr Ressourcen wenn ihr sterbt, und so weiter und so fort. Jede Welt ist einzigartig.

Was sie aber (fast) alle gemeinsam haben, ist, dass man als Solospieler nur selten etwas ausrichten kann. Natürlich wird es auch solche Welten geben, da gehe ich fest von aus. Grundsätzlich ist Crowfall aber eher auf Gruppenspiel ausgelegt. Am besten schließt man sich dort einer Gilde an. Dort gibt es dann bestimmt auch Crafter für spezielle Dinge. Denn in diesem Spiel kann nicht jeder Spieler alles und daher ist das Zusammenspiel so wichtig.

Interessant ist noch an den einzelnen Welten, das sie, wie es auf Neudeutsch heißt, procedurally generated sind. Keine Welt gleicht der anderen, jede wird neu vom Spiel zufällig erstellt. Was aber jede Welt hat, sind verschiedene Phasen. Ihr startet immer im Frühling und endet im Winter. Wobei die Dauer der einzelnen Jahreszeiten unterschiedlich ist. Im Winter stirbt die Welt allerdings aus. Die Gegner werden härter, die Strafen fürs Sterben drastischer, dafür aber auch die Belohnungen besser.

Das spannende wird sein, dass in jeder neuen Welt die Spieler wieder bei 0 starten. Klar behalten sie ihren Charakter und dessen Fortschritt. Aber auf jeder neuen Welt, muss man erneut Ressourcen sammeln, Festungen und Burgen errichten und erneut versuchen, zu gewinnen. Ich stelle mir das wie einzelne PvP-Kampagnen aus anderen spielen vor.

Ihr seht schon, Crowfall fällt komplett aus der Reihe. Nicht nur, aus der in diesem Video, sondern auch aus der herkömmlicher MMOs. Durch das geringere Budget konzentriert sich das Spiel auf einen Aspekt eines MMOs, in dem Fall das PvP. Ich bin mir zwar nicht sicher, ob Crowfall tatsächlich etwas für mich ist, aber die Ideen dahinter, finde ich irgendwie spannend und ich werde auf jeden Fall die Entwicklung im Auge behalten.

Abschluss

2016 ist das Jahr der PvP-MMOs. Bei Crowfall ist das wohl am eindeutigsten, bei Blade & Soul und Black Desert ist es etwas schwerer zu erkennen. Aber die Kampfsysteme beider Spiele können gerade im PvP erst so richtig glänzen. Was ihre PvE-Elemente angeht, muss man dagegen erst noch sehen, was sie taugen.

Ich finde es insgesamt spannend zu beobachten, in welche Richtung sich das Genre entwickelt und in dem Zuge natürlich auch, welchen Einfluss die Neuerscheinungen in diesem Jahr darauf haben werden. Es gibt definitiv schlechtere Zeiten, in MMO-Spieler zu sein.

Gameplay-Verwendung unter Creative Commons 4.0:
Blade & Soul: https://www.youtube.com/user/ShinKaiser
Black Desert: https://goo.gl/7Iaf1R (IPHER DEC)
Crowfall: https://goo.gl/ArN64W (Crowfall)