Im Normalfall halten Spieleentwickler die Verkaufszahlen ihrer Spieler hinter Schloss und Riegel. Alleine deswegen ist es eine erfrischende Abwechslung, dass Daum Games, das Studio hinter dem kürzlich gestarteten MMO Black Desert Online, eine offenere Politik an den Tag legt. Sie haben nämlich relativ genaue Zahlen über den Release bekannt gegeben. Nicht nur, was Spielerzahlen angeht, sondern sogar, welche Einnahmen sie damit erwirtschaftet haben.

Innerhalb des ersten Monats wurden insgesamt 400.000 Einheiten in Europa und Nordamerika verkauft. Jeden Tag loggen sich durchschnittlich 100.000 Spieler ein und zur selben Zeit waren sogar einmal 120.000 Spieler in der Welt. Die Einnahmen belaufen sich auf rund 12 Millionen Dollar, was sich aus den verkauften Einheiten und dem im Itemshop ausgegebenen Geld errechnet. Besonders der Shop floriert dabei, denn laut Aussagen von Daum haben bereits mehr 11% aller Spieler mindestens einen Gegenstand dort gekauft.

Grundsätzlich sieht Daum den Release als Erfolg an und geht davon aus, dass sich der aktuelle Aufwärtstrend fortsetzt und sie noch in diesem Jahr über 1 Millionen Einheiten verkaufen werden. Der Erfolg sei auf das Buy-to-Play Modell zurückzuführen, auf das man im Westen gesetzt hat – im Gegensatz zur Free-to-Play Version in Korea.

Ein gefühlter Fehlschlag

Trotz all des Optimismus und der positiven Verlautbarungen, wird man aber das Gefühl nicht los, dass 400.000 eine ziemlich geringe Zahl für ein MMO ist. Beispielsweise wurde Wildstar, ein Sci-Fi MMO der Carbine Studios, als Misserfolg abgestempelt als es „nur noch“ 450.000 Spieler hatte. The Division, ein Onlineshooter, der nahezu zeitgleich veröffentlicht wurde, hatte bereits nach einer Woche 3,5 Millionen Einheiten verkauft – und das zum fast doppelten Preis.

Sicherlich hatten diese Spiele andere Vorzeichen. Sicherlich lassen sie sich auch nur schwer mit Black Desert vergleichen. Aber trotzdem empfinde ich die Zahl von BDO aus irgendeinem Grund als zu gering. Es ist immerhin das letzte große AAA-MMO für einige Zeit. Oder wisst Ihr von großen MMOs, die sich aktuell noch in der Entwicklung befinden? Alleine bei dieser Voraussetzung hätten eigentlich mehr Spieler zuschlagen müssen. Haben sie aber nicht.

BDO-Grafik

Und täglich grüßt die MMO-Müdigkeit …

Das könnte zum einen an der oftmals beschworenen MMO-Müdigkeit liegen. Seit dem Anfang der 2000er Jahre haben wir so viele MMOs gesehen, sind durch so viele unterschiedliche Welten gelaufen und haben gefühlt in jeder die Rattenpopulation an den Rand des Aussterbens getrieben. Vielleicht sind wir dem Genre einfach überdrüssig geworden? Vielleicht haben wir uns aber auch einfach nur zu oft die Finger verbrannt. Wie oft wurden bahnbrechende Features versprochen und wie oft wurden sie nicht eingehalten? Wie hofft hat man seine Hoffnungen in ein Projekt gesteckt, nur um am Ende bitter enttäuscht zu werden (Ja, ich gucke dich an, Everquest Next)?

Ich glaube aber nicht, dass einer der Punkte ausschlaggebend dafür ist. Black Desert hat zwar ein paar Charakteristika eines traditionellen MMOs, aber es ist doch grundlegend verschieden. Der Fokus des Spiels liegt nicht auf dem Erreichen des Maximallevels und anschließendem Raidens. In BDO liegt der Fokus auf den sonstigen Nebenaktivitäten: Kochen, Fischen, Wirtschaften, Crafting, Housing, um nur ein paar zu nennen. Man muss noch nicht einmal leveln, um Spaß am Spiel zu haben. Denn Black Desert hat kein herkömmliches Endgame. Man kann auch mit seinem Lowlevel Charakter ein Wirtschaftsimperium aufbauen und so seine Tage verbringen.

BDO macht einfach sehr viel anders als traditionelle MMOs – und genau das stößt viele Leute wahrscheinlich vor den Kopf. Zwar beschweren sich die Leute immer wieder über zu viele WoW-Klonen und fordern mehr Innovation im Genre. Aber wenn Spiele dann etwas Neues ausprobieren, werden sie immer wieder mit WoW verglichen. Was? Dein Spiel hat keine Raids? Was ist denn das für ein Müll?! Keine Flugmounts? Den Mist spiele ich nicht!

Innovation vs. Gewohnheit

Black-Desert-FlaggeEs ist das ewig alte Problem: Die Forderung nach Innovation, einhergehend mit der Ablehnung derselben. Aber das ist eine Diskussion für ein anderes Mal. Was wir daraus mitnehmen sollten, ist die Tatsache, dass sich Black Desert traut, die Dinge anders zu machen. Das muss man natürlich nicht immer positiv sehen. Gerade das Genderlocking bei den Klassen ist eine höchst fragwürdige Entscheidung. Und auch der sehr grindlastige und langsame Fortschritt in jedem Bereich des Spiels sagt mir nicht wirklich zu. Aber am Ende des Tages respektiere ich Black Desert für den Mut, vieles anders zu machen.

Die Kehrseite der Medaille ist aber dann, dass BDO nicht für jeden geeignet ist. Es wird dadurch zu einem Nischenprodukt und muss mit den damit verbundenen Konsequenzen leben. Wer weniger Spieler anspricht, hat nun mal eine kleinere Zielgruppe. Ich falle beispielsweise nicht in diese Zielgruppe. Für mich ist BDO nicht geeignet. Aber ich hatte das Glück, das Spiel während der Betaphase ausprobieren zu können – wenn auch nur kurz. Viele Spieler hatten diese Möglichkeit aber nicht. Es gab keine Open Beta, an der jeder teilnehmen konnte. Es gab lediglich ein paar Closed Betas, zu denen zwar immer wieder Zugänge verlost wurden, aber dennoch hatte man keine zuverlässige Methode, um das Spiel testen zu können.

Dazu kommt noch, dass mindestens eines der Betawochenenden mit der Division-Beta kollidierte. Wie wir eben bereits erläutert haben, ist The Division sehr viel beliebter als BDO und wird entsprechend die Spieler auch zur Beta angezogen haben. Ergo wenige Spieler für BDO. Aber gerade bei einem nischigen Spiel wie Black Desert wäre es wichtig gewesen, es vorher ausprobieren zu können.

Die Umstellung von Free-to-Play, wie es in der koreanischen Version des Spiels ist, zu einem Buy-to-Play Modell hat vermutlich auch den ein oder anderen Spieler dazu bewogen, es nicht zu kaufen. Das ist der große Vorteil an F2P-Spielen: Man kann sie jederzeit herunterladen und testen. Wenn es einem dann nicht gefällt, deinstalliert man es eben wieder. Bei einem Spiel, das man erst kaufen muss, sieht die Sache anders aus. Das Geld ist weg und man selbst unzufrieden.

Black-Desert-Kampfsystem

Eine Testversion als Katalysator?

Vielleicht sollte Daum daher überlegen, eine Testversion des Spiels anzubieten. Man muss allerdings genau aufpassen, wie man die Testversion abgrenzt. An Leveln wie es beispielsweise World of Warcraft vormacht, kann man es nicht festmachen. Vielleicht eine zeitliche Begrenzung? Man darf 3 Stunden spielen und muss es anschließend kaufen, um weiterspielen zu können? Wie man es auch löst, eine Testversion würde dem Spiel guttun. Dadurch würde man zwar nicht alle, aber mit Sicherheit ein paar Spieler mehr überzeugen können. Zumindest mehr als es aktuell der Fall ist; die ominösen 400.000.

Ich bleibe dabei, 400.000 klingt für mich nicht nach einem gelungen MMO-Launch. 400.000 klingt eher nach einem mittelmäßig bis schlecht gestarteten Spiel. Aber 400.000 ist auch gar nicht die Zahl, auf die man achten sollte. Natürlich sind die Verkaufszahlen wichtig – gerade bei einem Buy-to-Play Spiel. Was aber noch wichtiger ist bei einem MMO ist die Zahl der aktiven Spieler und hier sieht man das Potential

Wie wir aus der Bekanntmachung von Daum wissen, spielen durchschnittlich 100.000 Leute am Tag Black Desert. Damit ist es das dritt meist gespielte Spiel laut Steam. Nur League of Legends und Dota liegen darüber und selbst solche Größen wie Eve Online liegen mit 30k-40k deutlich darunter. Ebenso beeindruckend ist der Peak, also die Anzahl an Spielern, die gleichzeitig online waren. Dieser liegt nämlich bei stolzen 120.000. Es waren 120.000 Menschen zur gleichen Zeit in Black Desert Online eingeloggt.

Wenn man sich diese beiden Zahlen ansieht, ist der Start von Black Desert zwar immer noch mittelmäßig, aber das Potential was darin steckt, ist enorm. Und nach diesen Zahlen traue ich es Daum Games durchaus zu, dass sie noch in diesem Jahr über 1 Millionen Einheiten verkaufen werden. Besonders wenn man bedenkt, dass BDO noch unfertig ist. Die koreanische Version läuft schon eine ganze Weile und hat entsprechend mehr Content. Content, der im Laufe des Jahres auch den Weg nach Europa und Amerika finden wird. Alleine im letzten Update wurde die Weltkarte um 30% vergrößert und demnächst erscheinen noch mindestens 4 neue Klassen. Das ist eine Entwicklung von der Spieler anderer MMOs nur träumen können.

So schlecht sind die 400.000 bei Black Desert also gar nicht und der Trend zeigt eindeutig in die richtige Richtung. Ich bin schon sehr gespannt, wie es sich weiterentwickelt und hoffe darauf, dass die Entwickler auch in Zukunft Einblicke in ihre Zahlen gewähren. Und wer weiß? Vielleicht kommt irgendwann der Punkt, an dem ich auch Black Desert eine zweite Chance gebe. 4 neue Klassen sind auf jeden Fall ein guter Grund dazu.

Link zum Spiel: https://www.blackdesertonline.com/ 

Tl;dr: Black Desert wurde zwar „nur“ 400.000 Mal verkauft, aber mit ein paar kleinen Änderungen könnten sie ihr volles Potential ausschöpfen.